Artikel über Donato Bramante in "Corriere della sera"

Artikel über Donato Bramante in „Corriere della sera“

Die große italienische Tageszeitung „Corriere della sera“ bat mich um einen Artikel zu Donato Bramante. Unten finden Sie eine hochaufgelöste PDF mit der Seite aus der Zeitung zum Download. Hier der Text in deutscher Übersetzung:

Unter seiner Kuppel die richtige Idee von Europa

Als ich mich mit dem Neubau des Petersdomes beschäftigte, stieß ich auf Donato Bramante, der zur Hauptfigur meines Romans avancierte. In einem seiner Verse finde ich, was ihn antreibt: „Arde il mio petto in si soave foco/Che sol del suo martir vive Contento…“ Was er auch anpackt, Malerei, Dichtung und Architektur, es ist immer Donato, der es tut, der Vielfraß, der Nimmersatt, der heftige Begehrende (bramare – Bramante), der Liebende, der Unabhängige, der ganze Mensch, der in der Welt nur sein kann, indem er sich ausdrückt mittels Farben, Worten und Stein. In Urbino verstehe ich, dass er sich hier mit der Architektur infiziert. Das Hervorbrechen des neuen Herzogsplastes Federico da Montefeltros aus dem alten wird schließlich sein schöpferisches Prinzip. Will man Donato verstehen, muss man durch den Palazzo Ducale in Urbino gehen. Hier wird Donato mit den Ideen des Gottes der Architekten, Leon Battista Alberti, konfrontiert und mit der Mathematik des deutschen Hofgelehrten Jacob von Speyer. Bauen heißt, den Himmel zu versuchen und seinen Zorn, der in den waltenden Kräften zum Ausdruck kommt, durch das Mauerwerk abzuleiten. In der Diskussion der italienischen, französischen und deutschen Baumeister über den Mailänder Dom begreift er, dass eine Kuppel sich über das Bauwerk wie der Himmel über die Welt zu spannen hat. Von da an ist er von der Idee besessen, eine freitragende Kuppel zu errichten und der Neubau des Petersdomes wird ihm die Gelegenheit dazu bieten. Die Architekturhistoriker diskutieren, ob Donato einen Langbau oder einen Zentralbau geplant hat. Ich glaube, weder noch. Angesichts seines Alters weiß er, dass er dieses Projekt nicht vollenden wird und die Erfahrung lehrt ihn, dass große Baumeister sich nicht an die Vorgaben ihrer Vorläufer halten. So hat er die Vierung und die großartige Kuppel konzipiert und seine ganze Energie daran gesetzt, wenigstens sie zu verwirklichen. Leider kam er nicht mehr dazu und keiner seiner Nachfolger verstand seine Vision. Dass seine Kuppel dennoch den Petersdom krönt, verdankt er seinem Erzrivalen Michelangelo, der die Größe besaß, Donatos Idee umzusetzen. Ein Meister erkennt den anderen, ob er aus der Toskana stammt, aus den Marken, aus Franken, der Provence oder La Mancha. Das lerne ich auch von Donato: Europas Reichtum ist die Vielfalt der Regionen, wie Europa eben nicht Renzi, Hollande und Merkel ist, sondern Dante, Descartes, Shakespeare, Goethe und auf der Freundschaft und dem Austausch zwischen Raffael aus Urbino und Albrecht Dürer aus Nürnberg beruht – und über all das wölbt sich Donatos wunderbare Kuppel.

Unter dem Pseudonym Sebastian Fleming erschien sein Roman „La Cupola del Mondo“, für den er mit der Ehrenbürgerschaft von Donatos Geburtsort Fermignano geehrt wurde.

 

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